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Francisco Welter-Schultes: Umweg nach Cayenne

 

Eine Fortsetzungsgeschichte auf 739 Internetseiten.

 

Ins Netz gestellt von Planet Poster Editions

Kapitel:

 

12 - Umziehen, ausziehen, Striptease - Der chaotische Sommer 1982

Seite:

 

23

Kapitel in Band 1:

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Donnerstag, 5. August 1982
Jochen war sauer. Zu Recht. Er hatte es tatsächlich geschafft, mir die Plätze in den begehrtesten Kursen freizuhalten. Deutsch bei Frau von Erxleben war besonders hart umkämpft gewesen. Ich erklärte ihm, wie knapp es gewesen war, dass ich hier überhaupt noch in diese Schule ging. Erst wäre ich um ein Haar in Bulgarien hängen geblieben und dann in Berlin. Die Lehrer wunderten sich, dass ich überhaupt da war. Ich verstand gar nicht, warum.
Der Stress war noch nicht vorüber. Denn M-K hatte vorläufig gesagt. Auf der anderen Seite hatte sie den Rackersberg angemietet. Und ich war über sechzehn.
Dadurch, dass M-K den Rackersberg ja bereits gemietet hatte, standen die Chancen nicht schlecht. Sie protestierte lautstark, als ich ihr damit kam, dass sie in Pelzerhaken gesagt habe, sie würde mich mit sechzehn auch alleine wohnen lassen. Aber je mehr Stress ich machte und miese und gereizte Stimmung erzeugte, desto mehr sah sie auch die Vorteile. Schliesslich meinte sie, sie liesse da vielleicht mit sich reden. Aber ausschliesslich bei mir, auf keinen Fall bei Norbert.
Norbert ging nicht in die Schule. M-K hatte es ihm verboten und ihn per Postkarte von der Schule abgemeldet. Genauso wie mich, wie sie beiläufig erwähnte.
Deshalb waren sie so irritiert gewesen heute früh. Wir würden in wenigen Tagen sowieso nach Berlin ziehen, hatte sich M-K gedacht, und dann würden wir in Berlin die Schule gehen. Ich fragte Norbert, ob er das auch wollte. Er sah mich an.
- Willst du das denn nicht?
- Auf keinen Fall. Ich bin sechzehn, ich darf alleine hier wohnen. Und ich bleibe hier. Egal was kommt. Ich bleib hier. Du kannst ja meinetwegen nach Berlin gehn. Obwohl ich mir das an deiner Stelle auch überlegen würde. Was willst du denn da?
- Aber was soll ich denn machen? Ich bin ja nicht sechzehn wie du.
- Wenn wir genug Stress machen, dann setzen wir das auch durch.
- Quatsch. Wie soll denn das gehen? Was ist denn schon dabei, wenn wir nach Berlin ziehen?
- Ich würde mir das an deiner Stelle echt überlegen. Auf dich hört sie ja eher als auf mich.

Es muss in diesen Tagen gewesen sein. Manche Szenen blieben jahrzehntelang glasklar in der Erinnerung, doch die wichtige Information, wann und in welchem Zusammenhang sie sich abgespielt haben, ging schnell verloren. Ich habe bisher nur eine Person kennengelernt, die die phänomenale Fähigkeit hatte, sich bei solchen Erlebnissen auch jedesmal das Datum zu merken. Norbert nicht. Aber es musste in diesen Tagen gewesen sein.
Deepensoll 49, Terrasse, Sonne, Kurt im Liegestuhl. Norbert hatte plötzlich eine völlig naive Idee. Er ging einfach zu Kurt und fragte ihn. Ob Kurt nicht einfach in Neustadt bleiben und auf uns aufpassen könne. Als Ersatzvater sozusagen.
In den ganz wenigen Sekunden, die nun folgten, entschied sich Kurts Zukunft. Er sah Norbert an.
- Ob ich nun in Berlin oder in Neustadt arbeitslos bin-

Kurt meinte zu M-K, er könne vorläufig hier in Neustadt bleiben. Im oberen Stockwerk im Rackersberg waren ja zwei Zimmer. Ausserdem noch eine Küche. Das würde auch für zwei Personen genügen. Oder eben für drei, wenn Norbert auch dableiben wollte. M-K lehnte kategorisch ab und meinte, Norbert komme auf alle Fälle mit nach Berlin. Norbert hierzulassen könne sie nicht verantworten.
Bei mir wäre das etwas anderes. Ich war in ihren Augen schon selbstständig genug und ausserdem würde sie mir nur vorläufig erlauben, alleine hier zu wohnen. Ich könnte aber jederzeit nach Berlin nachkommen, wenn ich das wollte.
Wenn es mir hier zu einsam würde. Oder wenn ich Sehnsucht nach meiner Mutter bekommen würde. Oder wenn Neustadt vom einem Meteoriten getroffen würde.
Ich hatte durchgesetzt, dass ich hier in Neustadt Abitur machen konnte. Nicht ein viertes Bundesland. Nicht wieder neue Lehrer, nicht wieder ein neues Schulsystem. Nicht wieder dieses bescheuerte Versuche diese Fehler nicht zu wiederholen, denn sonst geht alles wieder von vorne los. Schade, wie gerne würde ich Viktoria mal schreiben, was hier los war.
Norbert konnte tatsächlich wenig dagegen machen, nach Berlin ziehen zu müssen. Er war erst vierzehn und M-K lehnte verärgert jeden Vermittlungsversuch von Kurt ab. Doch wundersamerweise kam M-K auch in den folgenden Tagen nicht dazu, einen Umzug nach Berlin zu organisieren.
Nein, wundersamerweise war übertrieben. Es war alles andere als ein Wunder. Wir unterstützten sie nicht im geringsten. Abends zog sie mit Kurt in die Kneipen, blieb dort bis spät, und morgens kam sie selten vor zwölf aus dem Bett. Frühstück um vier Uhr nachmittags war keine Ausnahme gewesen. Norbert fand die verlängerten Ferien zwar schön, doch Kurt meinte langsam, dass Norbert zumindest vorläufig wieder in der Schule angemeldet werden müsste. Ich machte in derselben Richtung Druck.
Auch mit Norbert sprachen Kurt und ich darüber. Wenn überhaupt eine Chance bestehen sollte, dass Norbert doch nicht nach Berlin müsste, dann müsste er hier auf alle Fälle in die Schule gehen. Sonst würde er ja selber vollendete Tatsachen schaffen. Norbert hatte, nachdem er erfahren hatte, dass ich nicht nach Berlin wollte, auch immer weniger Lust, mit M-K in die geteilte Stadt zu ziehen.

Das Erledigen der Hausaufgaben bereitete ein Problem. Insgesamt hatte die Wohnung neunundzwanzig Quadratmeter. Sie kam mir noch kleiner vor. Zwei kleine Zimmer, eine Küche und noch ein Quadratmeter Flur, wo das obere Telefon angebracht war. Unten im Erdgeschoss gab es einen zweiten Apparat, für Wenzels Schreibwarenladen, den er irgendwann öffnete. Wir rechneten das Telefon mit Herrn Wenzel ab.
Oben konnte ich keine Hausaufgaben machen, M-K rauchte ständig und war definitiv zu laut. Ich suchte im Haus herum und fand überraschend einen Kellerraum. Unter der Holztreppe, die nach oben führte, befand sich eine Luke, die in einen dunklen, verschlagenen Kellerraum führte. Er hatte nur wenige Quadratmeter, oder besser, Kubikmeter. Schon seit Jahren schien ihn niemand betreten zu haben, überall hingen die Spinnweben herunter.
Ich nahm Gestrüpp und fegte die Spinnweben von der Decke. Dann versuchte ich, eine Art Schreibtisch zu bauen. Eine andere Treppe führte in den Ladenraum. Die Kellerlampe wurde noch mit einem uralten Drehschalter betätigt. Sie gab auch nur wenig Licht. Dennoch war es besser in diesem Kellerloch als oben, wo ständig geraucht wurde und M-K den totalen Schwachsinn laberte. Auch Kurt fühlte sich immer mehr genervt.

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Google

Suchfunktion im Roman: Die Navigation im Roman hat selbst keine Suchfunktion. Wer innerhalb des Romans bestimmte Begriffe sucht, kann hier im Suchfeld bei Google den Begriff "wissenladen" und den Suchbegriff (beispielsweise den Namen eines Ortes) eingeben. Das sollte halbwegs funktionieren. Wenn "wissenladen" alleine nicht reicht, dann noch "cayenne" dazu eingeben.

Für diejenigen, die die gesamte Textdatei lieber am Stück lesen wollen, und nicht jede Seite einzeln, gibt es 3 Word-Dateien, entsprechend den 3 Bänden, die von unserem Server auf Festplatte heruntergeladen werden können. Dies sind die reinen Text-Dateien, ohne Bilder drin. Nur mit Platzhaltern für Bilder. Die Word-Datei (Word 6.0/95 für windows) ist etwa 2001-2003 zusammengeschrieben worden, letzte Änderungen sind von 2005.
cayenne-band1.doc.
cayenne-band2.doc.
cayenne-band3.doc.


Hier noch ein paar weitere interessante Links:

 

www.planetposter.de - Posterverlag von Francisco Welter-Schultes und Ralph Krätzner

www.wissenladen.de - Der Onlineshop mit den guten Ideen

www.wissenladen.de/maps - übersichtliche Landkarten von allen Ländern der Welt

www.animalbase.org - Frühe zoologische Literatur online

www.hausdernatur.de - Museum Haus der Natur in Cismar an der Ostsee

www.100partnerprogramme.de - Geld verdienen im Internet mit Karsten Windfelder

www.affiliate-katalog.de - Partnerprogramm-Suchmaschine

images.google.com - Bilder suchen mit Google

www.wale-und-delfine.de - Wale und Delfine

 

 


Neustadt in Holstein, Der Laden, Rackersberg 30 (Juni 1983)

 

 

 

 

Der Roman Umweg nach Cayenne ist eine Fortsetzungsgeschichte in drei Bänden und basiert auf einer authentischen Geschichte (autobiographisch von Francisco Welter-Schultes).
Band 1 spielt von Mitte der 60er Jahre bis 1980 in Deutschland (erst Bayern, dann Mainz), Band 2 von 1980 bis 1987 in Deutschland (hauptsächlich in der Kleinstadt Neustadt in Holstein) mit einigen Passagen in der Türkei und in Griechenland (vor allem auf Kreta), Band 3 von 1987-1990 spielt hauptsächlich in Nord- und Südamerika (USA über Mexico bis nach Feuerland und dann Atlantikküste entlang nach Brasilien). Ganz am Ende kommen wir dann auch mal tatsächlich nach Cayenne, Französisch-Guyana. Der Titel ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen. Aber bis wir nach Cayenne kommen, dauert es einige Zeit, und ein paar kleine Umwege müssen schon in Kauf genommen werden.
Zusammengeschrieben wurde das Ganze so etwa zwischen 2001 und 2003.
Alle Personen, die im Text vorkommen, sind Personen des wirklichen Lebens. Um ihre Privatsphäre zu schützen, wurden die meisten von ihnen unter Pseudonymen genannt. Ausser bei Personen des öffentlichen Lebens.

Wir hoffen, die Navigation funktioniert halbwegs und wünschen viel Spass beim Lesen.

Für diejenigen, die einen kurzen Blick auf eine Landkarte werfen wollen, was ja mal ganz nützlich sein kann, hier eine kleine Auswahl von Landkarten aus Europa:
Bosnien und Herzegowina   Deutschland   Frankreich   Griechenland   Italien   Österreich   Rumänien   Russland  Schweden   Spanien   Türkei



Kontakt (Autor, Verlag) siehe Impressum, unten letzte Zeile.
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