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Francisco Welter-Schultes: Umweg nach Cayenne

 

Eine Fortsetzungsgeschichte auf 739 Internetseiten.

 

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Kapitel:

 

14 - Die alle nicht der Wahrheit entsprechen - Fünf Tage im Dezember 1982

Seite:

 

13

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Dienstag, 14. Dezember 1982
Vergeblich rätselten wir herum, warum M-K nicht nach Berlin zurück wollte. Kurt traf sich am Nachmittag im Stadtcafé mit Frau Förster und versuchte immer wieder, Jack in der Grossbeerenstrasse zu erreichen. Am Nachmittag hatte er endlich Glück, erfuhr aber nur wenig. Was hiess Läuse auf Englisch? Small animals in the head... Jack verstand nichts und irgendwann gab Kurt es wieder auf. Offenbar standen sie aber nicht vor einer Zwangsräumung. Und wieder würde es Stunden dauern, bis er uns die mageren Ergebnisse seiner Ermittlungen würde weitergeben können, ohne dass M-K es mitbekam.
Kurts Terminkalender war auch so schon voll genug. Seinen Kreta-Urlaub hatte er heute früh schon beim Arbeitsamt eingereicht - aber er musste mit Manfred noch zu Sylvia Blankenburg von den Lübecker Nachrichten, die Material für einen Artikel brauchte, und schliesslich noch in die Apotheke und für teures Geld zum zweiten Mal Goldgeist kaufen. M-K war es gelungen, die ganze Flasche aufzubrauchen, ohne effektiv die Läuse bekämpft zu haben.
Ich hatte bis um zwei Uhr Schule, kaufte etwas zu Essen ein und kam gegen halb vier nach Hause. Irgendwann musste ich mich ins Wohnzimmer gesetzt haben. Ich ruhte mich aus und las ein bisschen Zeitung.
Nur Norbert und Matthias waren da. Matthias ging irgendwann wieder. Die beiden hatten irgendwas am Kassettenrekorder rumgemurkst. Das Ding war sowieso schon fast wieder Schrott. Norbert und Matthias hatten Kurts Nerven schon im November ziemlich strapaziert und Matthias war von Kurt auch einmal ziemlich angemacht worden. Seitdem hielten sie sich etwas zurück mit Lärm im Rackersberg. Da heute sowieso dicke Luft in der Wohnung war, war Matthias nicht lange geblieben.

Gegen vier kam Frieder Hambach von der Friedensgruppe die Treppe hoch und fragte uns, ob Kurt da sei. Nein, meinten wir, und wir wussten auch nicht, wann er wiederkam. Kurt wollte ihm noch eine Kassette von der Talkshow zurückgeben, hatte er offenbar auch nicht gemacht. Kein Wunder, bei der ganzen Lauferei in den letzten Tagen. - Na gut, meinte Frieder, dann warte ich solange. Wann wird denn der wieder da sein? - Hm, kann ich nicht sagen, meinte ich zu ihm, das könne auch länger dauern. Hier sei momentan ein bisschen dicke Luft bei uns, da sei Kurt nicht so gerne hier und gehe lieber spazieren.
- Wieso, was habt ihr hier denn?
- Naja, unsere Mutter aus Berlin ist da.
- Und, ist doch schön, wo ist das Problem?
- Das Problem sind die vierzehn Quadratmeter, auf denen wir hier zu sechst wohnen, genauer gesagt, die wenigen Kubikmeter da drüber.
- Sechs Leute hier?! Ha-ha. Dann müsst ihr ihr eben sagen, dass sie wieder fahren soll.
- Guter Vorschlag, cool. Könnte von uns sein. Ach so, lümmel dich hier nicht so rein in den Sessel, Polstermöbel, die sind hier zur Zeit n bisschen gefährlich.
- Hä? Wieso?
- Nee, echt- wir haben Flöhe hier, die können auch in den Polstermöbeln sein. Nicht dass du dir welche einfängst. Jedenfalls würd ich mich an deiner Stelle hier nicht so breit machen. Nichts gegen dich persönlich, aber du verstehst-
- Flöhe?
- Nein, nicht Flöhe, Läuse hab ich gemeint. Läuse, nicht Flöhe.
- Läuse?! Kopfläuse? Mach dich nicht lächerlich. Die sind doch nicht in Möbeln.
- Naja, kannst dich auch wieder reinlümmeln, kein Problem. Würd mich nicht kratzen.
- Na, drauf ankommen lassen muss mans ja auch nicht.
- Aha. Also doch nicht der risikofreudige Typ.
- Wo habt ihrn die her? Die kommen ja nicht aus der Luft.
- Unsere Mutter is hier, hab ich dir ja erzählt. Die wohnt eigentlich in Berlin, und der Torben, unser kleiner Bruder, der hatte den Kopf voller Läuse. Und so eng wie das hier ist, ham die sich jetzt überall ausgebreitet.
- Wie lang isn die schon hier?
- Seit Freitag. Wie so ne Seuche ist das. Irgendwann glaubt man, die sind überall.
- Hat die das nicht gemerkt, dass der Läuse hat?
- Naja, das ist so ne Sache, das wissen wir eben auch nicht. Der war vier Wochen alleine in ihrer Wohnung da in Berlin und da hat wohl niemand auf den aufgepasst. Und da hat er sich die irgendwo geholt. Unsere Mutter war die ganze Zeit weg, kam zurück, hat praktisch nur den Torben geholt und ist dann direkt nach Neustadt.
- Und warum hier her?
- Gute Frage. Wrd ich auch gerne mal wissen.
- Hm.
- Es kann sogar sein, dass sie das gesehn hatte und die irgendwie mit Absicht hier eingeschleppt hat. Wir haben da so mehrere Theorien. Oder sie hat mit dem Vermieter Probleme, vielleicht hat sie die Miete nicht gezahlt, oder sie steht vor ner Zwangsräumung oder so und ihr wird das da zu heiss- also das ist so unsere neueste Theorie. Brauchst du aber keim weiterzuerzählen. Das sind nur so Spekulationen. Dürfte ich dir eigentlich gar nicht erzählen.
- Nee, ist schon klar. Hm. Trotzdem ganz schön seltsam, die Geschichte.
Jemand kam die Treppe hoch. Ich ging kurz aus dem Wohnzimmer um nachzusehen - es war Manfred. M-K huschte vom leinen Zimmer in die Küche. Sie war im kleinen Zimmer gewesen und hatte alles mit angehört! Ich tat so, als hätte ich sie nicht bemerkt, begrüsste Manfred und ging wieder zu Frieder ins Wohnzimmer.
- Hallo Manfred, hast du Kurt gesehn?
- Nee, ist der nicht hier?
- Nee.
- Dann is er wohl noch unterwegs.
Zum Glück hatte ich Frieder die Sache mit Heynsen nicht erzählt! Er wandte sich wieder an mich.
- Wo geht der Kleine denn in die Schule, hier oder in Berlin?
- In Berlin. Zumindest sollte er das, theoretisch. Aber das ist ihr anscheinend egal. Seit Montag müsste er ja schon wieder da hin, mindestens drei Tage fehlt er da schon.
- Was, die schickt den nicht in die Schule? Ha, das ist ja n Ding. Einfach so weggefahren?
- Ja, ziemlich cool, finden wir auch. Ich mein, gibt ja Schulpflicht in Deutschland.
- Haha, allerdings. Das sind Sachen. Na gut dann- ich denk ich werd mal wieder los.
- Ja, ich weiss auch nicht, wann der Kurt noch kommt, aber das kann auch paar Stunden dauern. Soll ich ihm was ausrichten?
- Sag ihm, dass ich da war, er weiss dann schon Bescheid. Ich wollte nur die Kassetten von der Talkshow abholen. Der muss die noch haben. Ich will nicht die ganze Zeit hinter dem her rennen.
Norbert und ich begleiteten Frieder noch bis zur Treppe.
- Ja, ich weiss, dass der die noch hat. Okay, ich sags ihm dann.
- Ja dann mal tschüss. Machts gut. Und viel Spass noch mit eurer Mutter!
- Ja, wern wër haben. Tschüss dann!
Frieder ging die Treppe herunter und schloss die Türe. Als wir wieder ins Wohnzimmer gehen wollten, kreuzte M-K mein Blickfeld ein zweites Mal. Jetzt, wo Frieder weg war, konnte sie loslegen. Sie dachte, ich hätte sie erst jetzt bemerkt.
- Na, das ist ja sehr interessant, was du hier verbreitest, wenn du denkst, ich hör das nicht. So erfährt man also, wie der eigene Sohn hier über seine Mutter redet!
Ich war nicht sicher, wieviel aus dem Gespräch mit Frieder sie mitbekommen hatte. Das mit der Zwangsräumung und unseren Theorien war sicherlich das Härteste.
Sie hatte von Anfang an alles genau verstanden. Vor allem hatte sie genau verstanden, dass ich gesagt hatte, ich dürfte das hier eigentlich nicht erzählen. Sie wurde immer lauter. Ich fand nur wenige Worte, die ich ihr entgegnen konnte. So haltlos sei das auch nicht gewesen, was ich erzählt hatte, meinte ich zu ihr.
Das versetzte sie noch mehr in Rage. Wieder bekam sie den totalen Wutanfall. Wie am Samstag. Norbert fand es fast schon witzig. Ich ging ins Wohnzimmer, M-K hinterher. Es war ihr vollkommen egal, dass Manfred da war. Der hatte sie so zwar noch nicht erlebt, wunderte sich aber auch über gar nichts mehr.
Norbert stand hinter M-K im Flur, vor dem Telefon, und unter dem Telefon stand der Kassettenrekorder. Auf dem zu anderen Zeiten der Hochzeitsmarsch von Mendelssohn-Bartholdy ertönte. Wenn Kurt in der Küche stand und wir aus der Schule kamen. Oder Friedenslieder von Hannes Wader.
Heute tönte etwas anderes durch diese Wohnung. Und zwar auch in voller Lautstärke. Dreimal wiederholte sie, ich hätte Lügen erzählt. Frei erfundene Geschichten, nichts als Lügen. Jawohl, Lügen.

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Google

Suchfunktion im Roman: Die Navigation im Roman hat selbst keine Suchfunktion. Wer innerhalb des Romans bestimmte Begriffe sucht, kann hier im Suchfeld bei Google den Begriff "wissenladen" und den Suchbegriff (beispielsweise den Namen eines Ortes) eingeben. Das sollte halbwegs funktionieren. Wenn "wissenladen" alleine nicht reicht, dann noch "cayenne" dazu eingeben.

Für diejenigen, die die gesamte Textdatei lieber am Stück lesen wollen, und nicht jede Seite einzeln, gibt es 3 Word-Dateien, entsprechend den 3 Bänden, die von unserem Server auf Festplatte heruntergeladen werden können. Dies sind die reinen Text-Dateien, ohne Bilder drin. Nur mit Platzhaltern für Bilder. Die Word-Datei (Word 6.0/95 für windows) ist etwa 2001-2003 zusammengeschrieben worden, letzte Änderungen sind von 2005.
cayenne-band1.doc.
cayenne-band2.doc.
cayenne-band3.doc.


Hier noch ein paar weitere interessante Links:

 

www.planetposter.de - Posterverlag von Francisco Welter-Schultes und Ralph Krätzner

www.wissenladen.de - Der Onlineshop mit den guten Ideen

www.wissenladen.de/maps - übersichtliche Landkarten von allen Ländern der Welt

www.animalbase.org - Frühe zoologische Literatur online

www.hausdernatur.de - Museum Haus der Natur in Cismar an der Ostsee

www.100partnerprogramme.de - Geld verdienen im Internet mit Karsten Windfelder

www.affiliate-katalog.de - Partnerprogramm-Suchmaschine

images.google.com - Bilder suchen mit Google

www.wale-und-delfine.de - Wale und Delfine

 

 


Neustadt in Holstein, Der Laden, Rackersberg 30. Die Wohnungstür befand sich um die Ecke neben dem Zigarettenautomaten. Wir wohnten im ersten Stock; hinter dem linken Dachfenster war die Küche. Aufnahme Juni 1983.

 

 

 

 

Der Roman Umweg nach Cayenne ist eine Fortsetzungsgeschichte in drei Bänden und basiert auf einer authentischen Geschichte (autobiographisch von Francisco Welter-Schultes).
Band 1 spielt von Mitte der 60er Jahre bis 1980 in Deutschland (erst Bayern, dann Mainz), Band 2 von 1980 bis 1987 in Deutschland (hauptsächlich in der Kleinstadt Neustadt in Holstein) mit einigen Passagen in der Türkei und in Griechenland (vor allem auf Kreta), Band 3 von 1987-1990 spielt hauptsächlich in Nord- und Südamerika (USA über Mexico bis nach Feuerland und dann Atlantikküste entlang nach Brasilien). Ganz am Ende kommen wir dann auch mal tatsächlich nach Cayenne, Französisch-Guyana. Der Titel ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen. Aber bis wir nach Cayenne kommen, dauert es einige Zeit, und ein paar kleine Umwege müssen schon in Kauf genommen werden.
Zusammengeschrieben wurde das Ganze so etwa zwischen 2001 und 2003.
Alle Personen, die im Text vorkommen, sind Personen des wirklichen Lebens. Um ihre Privatsphäre zu schützen, wurden die meisten von ihnen unter Pseudonymen genannt. Ausser bei Personen des öffentlichen Lebens.

Wir hoffen, die Navigation funktioniert halbwegs und wünschen viel Spass beim Lesen.

Für diejenigen, die einen kurzen Blick auf eine Landkarte werfen wollen, was ja mal ganz nützlich sein kann, hier eine kleine Auswahl von Landkarten aus Europa:
Bosnien und Herzegowina   Deutschland   Frankreich   Griechenland   Italien   Österreich   Rumänien   Russland  Schweden   Spanien   Türkei



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