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Francisco Welter-Schultes: Umweg nach Cayenne

 

Eine Fortsetzungsgeschichte auf 739 Internetseiten.

 

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20 - Jungfrau auf der Reeperbahn - Kreta und Hamburg mit Lina, 1987

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03

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Iráklion. Wir besprachen unsere Pläne für Kreta. Vierhundert Mark hatten wir von Vollrath. Die Hinreise war sehr billig gewesen. Ich schlug vor, zuerst die Arbeit zu erledigen und dann Urlaub zu machen. Sie war einverstanden. Also kümmerten wir uns zunächst um die Schnecken. So, welche waren das.
Die Schnecken. Albinaria torticollis und Albinaria retusa lebten nur auf der Insel Día. Día war die Insel, die zwölf Kilometer vor Iráklion lag und auf die niemand durfte, weil sie ein Forstschutzreservat für die Wildziegen war. Deshalb hatte niemand von dort Schnecken. Eine andere Schnecke, die Vollrath haben wollte, hiess Albinaria inflata doerfleri und lebte nur im Asteroúsia-Gebirge. Da konnten wir leicht hin, das war in der Nähe von Pitsídia. Albinaria sturanyi gab es offenbar nur auf dem Gipfel des höchsten Berges der Sitía-Halbinsel. Gut, im Sommer war das auch kein Problem, konnten wir hochgehen. Zwei andere Schnecken lebten nur bei bestimmten Dörfern am Westhang des Ida-Gebirges, wo wir auch gerne mal mit dem Taxi hinfahren könnten, wie Vollrath uns vorgeschlagen hatte. Insgesamt, hatte Vollrath gemeint, würde er zufrieden sein, wenn wir vier dieser sechs Schnecken mitbringen würden.

Und dann gab es noch Albinaria rebeli. Wie die Fleissaufgabe bei einer Klassenarbeit. Albinaria rebeli war 1904 von einem Österreicher, einem gewissen Wiener Hofrat Dr. Rudolph Sturany auf einer Kreta-Expedition entdeckt und zwanzig Jahre später von einem polnischen Wissenschaftler benannt worden. Nach 1904 war sie nie wieder gefunden worden. Schlucht Kawusi war in der polnischen Publikation als Fundort angegeben. Im Januar hatte ich mich aufgerieben und überall in der Schlucht bei dem ostkretischen Dorf Kavoúsi gesucht und nichts gefunden. Andere hatten das auch schon getan. Holländische Wissenschaftler, von der Uni Leiden. Die Schnecke war nach wie vor verschollen.
Doch in Cismar hatte ich mir noch einmal genau die Reiseberichte des Wiener Hofrats durchgelesen und mir war ein Gedanke gekommen. Kavoúsi lag in einem Tal etwa zwei Kilometer von der Mirabellou-Bucht entfernt im Innenland, wobei zwischen der Küste und dem Dorf noch ein kleiner Bergrücken verlief. Vielleicht handelte es sich gar nicht um die grosse Schlucht, die bei Kavoúsi aus den Bergen herunter kam und in der alle gesucht hatten. Vielleicht gab es noch eine andere kleinere Schlucht, in dem Bergrücken bei der Küste.
Denn der österreichische Schneckenspezialist hatte seine strapazenreiche Reise genau beschrieben.
Zusammen mit dem Schmetterlingsforscher Hofrat Director Professor H. Rebel war er zunächst mit dem Zug von Wien bis Triest und von dort eine Woche mit dem Dampfschiff nach Chaniá in Westkreta gefahren. Strassen gab es im Orient nicht, und so waren die beiden Wiener Naturforscher im Mai 1904 von Westkreta kommend mit einem Dampfer zu einem kleinen Ort gefahren, der in jener Zeit kaum 100 Häuser zählte: Agios Nikólaos.
Ein knappes Jahrhundert später hatte die überlaufene Touristenmetropole an der Mirabellou-Bucht Autobahnanschluss, fast stündliche Busverbindungen nach Sitía über Kavoúsi, dioxinbelastete Luft von einer ständig brennenden Müllkippe, verstopfte Strassen, fast zehntausend Einwohner und im Sommer nochmal gut doppelt so viele Touristen.
Solche Probleme kannten Sturany und Rebel auf ihrer romantischen Expedition nicht. Die Luft war frisch, das Meer klar und die Strände sauber. Nur den Bus konnten sie jetzt nicht nehmen, wenn sie nach Kavoúsi wollten.

Wir durchquerten mit einer Segelbarke bei vollständiger Windstille den Mirabellbusen in östlicher Richtung und landeten erst spät abends in einer romantischen Felsenschlucht, von der sich der Weg nach Kawusi hinaufzog.

An einer anderen Stelle war von einem alten türkischen Hafen die Rede und von einem Maultierpfad ins Dorf. Der alte türkische Hafen von Kavoúsi. Wenn das stimmte, was Sturany und Rebel schrieben, dann musste es eine Schlucht gegeben haben, die sich zwischen Kavoúsi und dem Meer befand und wo es vor hundert Jahren in der Zeit der türkischen Besatzung einen Hafen gegeben haben musste. Es konnte keine Gebirgsschlucht gemeint sein. Wenn es diesen Hafen je gegeben hatte, dann musste er irgendwo an diesem kleinen Bergrücken gelegen haben. Ich entschloss mich, es noch einmal mit Kavoúsi zu versuchen.

Doch zuerst gingen wir in die Forstverwaltung in Iráklion, weil wir ja auf die Insel Día wollten. Dort waren sie zwar nur mittelmässig freundlich, aber Lina machte mit ihren dunklen Haaren einen guten Eindruck und ich konnte immerhin Griechisch, also sagten sie, wir sollten nächste Woche nochmal wiederkommen. Sie würden uns dann vielleicht erlauben, mit einem ihrer Boote rüberzufahren. Vier Angestellte der Forstverwaltung lebten im Sommer auf der Felseninsel.
Dann fuhren wir mit dem Bus über Agios Nikólaos nach Pachiá Ammos, ein Küstenort sechs Kilometer vor Kavoúsi. Dort setzte ich mich erstmal an den Strand und Lina musste tierisch lachen. Denn ich hatte mich mit meiner Hose genau in einen Teerklumpen gesetzt und die Hose war hinüber. Auch diese Probleme hatte Hofrat Sturany seinerzeit nicht gehabt. Pachiá Ammos hatte heute einen der schmutzigsten Strände von ganz Kreta.
So, und jetzt folgten wir einer genialen Idee. Denn wenn wir nun von Pachiá Ammos aus einfach an der felsigen Küste diesen Bergrücken zwischen Kavoúsi und dem Meer entlanggehen oder entlangkraxeln würden, so hatte ich mir überlegt, mussten wir unweigerlich und spätestens nach sechs oder sieben Kilometern auf diesen alten türkischen Hafen und auf diese Schlucht treffen. Wo das auch immer war, aber genau dann, wenn wir die kleine weisse Schnecke finden würden, hätten wir unser Ziel erreicht.
Wir gingen los. Erste kleine Schlucht, keine Albinaria rebeli. Und weiter. Nächste kleine Schlucht, wieder nichts. Es folgten weitere Täler, ebenfalls ohne Ergebnis. Albinaria-Arten lebten hier, aber nicht die, die ich suchte. Es wurde heisser und heisser. Es war gar nicht so einfach, hier mehrere Kilometer zurückzulegen. Das kann nicht mehr weit sein, meinte ich zu Lina, die immer weniger Lust hatte, in der Mittagshitze an den schattenlosen Berghängen entlangzuklettern. Und das Terrain wurde immer schwieriger.
Ich konnte auch nicht sagen, wie weit es noch war. Sieben Täler hatten wir schon hinter uns. Trotzdem immer noch nicht die Hälfte der Strecke bis zum Ende des Bergrückens. Lina verlor den Mut. Sie hatte keine Lust mehr und wollte zurück. Ich konnte sie verstehen und versuchte sie zu trösten. Dann gab sie sich einen Ruck und meinte, nein, so schwach sei sie auch nicht, und ging weiter. Wir mussten höher den Hang hinauf, an der Küste wurde es zu steil. Wir gingen auf das nächste Tal zu. Es war tiefer als die vorigen. Etwas weisses lag auf dem Boden.
Ich setzte den Rucksack ab und sah genauer hin. Okay, sagte ich zu Lina, wir haben gewonnen. Schau mal, was hier liegt. Ich hob das kleine weisse Schneckengehäuse auf.
- Ist sie das? Die du suchst?
- Ja, völlig eindeutig, das ist sie. Unter uns liegt der alte türkische Hafen von Kavoúsi.
Wenige Schritte weiter öffnete sich unter uns die kleine Felsbucht, die schon Sturany und Rebel in ihrem Reisebericht von 1904 als romantisch beschrieben hatten. Romantisch. Das war sie auch heute noch. Wir kletterten die Felsen hinunter und waren am Ziel. Unglaublich, dass es 1987 so etwas überhaupt noch gab.
Völlig einsam lag die kleine verwunschene Bucht an der Nordküste und wir hatten einen phantastischen Blick über das Meer bis nach Agios Nikólaos und die Berge. Wir stellten uns auf die Felsen, sprangen aus drei Metern Höhe in das klare blaugrüne Mittelmeerwasser, wo wir bis auf den Grund sehen konnten, badeten und tauchten stundenlang. Am Rand der Bucht standen ein paar alte Mauern, offenbar Reste des alten türkischen Hafens, und sogar eine Art Brunnen fanden wir. Und Schnecken. Viele. Albinaria rebeli. Wiederentdeckt nach dreiundachtzig Jahren.

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Für diejenigen, die die gesamte Textdatei lieber am Stück lesen wollen, und nicht jede Seite einzeln, gibt es 3 Word-Dateien, entsprechend den 3 Bänden, die von unserem Server auf Festplatte heruntergeladen werden können. Dies sind die reinen Text-Dateien, ohne Bilder drin. Nur mit Platzhaltern für Bilder. Die Word-Datei (Word 6.0/95 für windows) ist etwa 2001-2003 zusammengeschrieben worden, letzte Änderungen sind von 2005.
cayenne-band1.doc.
cayenne-band2.doc.
cayenne-band3.doc.


Hier noch ein paar weitere interessante Links:

 

www.planetposter.de - Posterverlag von Francisco Welter-Schultes und Ralph Krätzner

www.wissenladen.de - Der Onlineshop mit den guten Ideen

www.wissenladen.de/maps - übersichtliche Landkarten von allen Ländern der Welt

www.animalbase.org - Frühe zoologische Literatur online

www.hausdernatur.de - Museum Haus der Natur in Cismar an der Ostsee

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Kreta, Blick über die Küste bei Rodákino, 1.1.1985

 

 

 

 

Der Roman Umweg nach Cayenne ist eine Fortsetzungsgeschichte in drei Bänden und basiert auf einer authentischen Geschichte (autobiographisch von Francisco Welter-Schultes).
Band 1 spielt von Mitte der 60er Jahre bis 1980 in Deutschland (erst Bayern, dann Mainz), Band 2 von 1980 bis 1987 in Deutschland (hauptsächlich in der Kleinstadt Neustadt in Holstein) mit einigen Passagen in der Türkei und in Griechenland (vor allem auf Kreta), Band 3 von 1987-1990 spielt hauptsächlich in Nord- und Südamerika (USA über Mexico bis nach Feuerland und dann Atlantikküste entlang nach Brasilien). Ganz am Ende kommen wir dann auch mal tatsächlich nach Cayenne, Französisch-Guyana. Der Titel ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen. Aber bis wir nach Cayenne kommen, dauert es einige Zeit, und ein paar kleine Umwege müssen schon in Kauf genommen werden.
Zusammengeschrieben wurde das Ganze so etwa zwischen 2001 und 2003.
Alle Personen, die im Text vorkommen, sind Personen des wirklichen Lebens. Um ihre Privatsphäre zu schützen, wurden die meisten von ihnen unter Pseudonymen genannt. Ausser bei Personen des öffentlichen Lebens.

Wir hoffen, die Navigation funktioniert halbwegs und wünschen viel Spass beim Lesen.

Für diejenigen, die einen kurzen Blick auf eine Landkarte werfen wollen, was ja mal ganz nützlich sein kann, hier eine kleine Auswahl von Landkarten aus Europa:
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