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Francisco Welter-Schultes: Umweg nach Cayenne

 

Eine Fortsetzungsgeschichte auf 739 Internetseiten.

 

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22 - Feierabend in den Tropen - Veracruz - Gringo in Mexico

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09

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Brief 3 an Lina (August 1988)

Rolando, einer aus dem Dorf, fährt nach Mexico City und ist bereit, mich mitzunehmen. Weiss eine christliche Organisation, US-Amerikaner, arbeiten bei den Leuten in den ärmsten Vierteln. Sollte das mein Weg sein?
Wir sind in Chicontepec verabredet, fünfzehn Kilometer weiter, Rolando ist schon am Mittag hingefahren. Von da würde ein Bus um 20 Uhr abfahren und frühmorgens in Mexico City ankommen, vierhundertzwanzig Kilometer. Es ist Heiligabend (wird aber nicht so gefeiert wie in Deutschland). Eine Familie hat einen ihrer Truthähne zubereitet, und so lassen wir den vier-Uhr-Bus vorbeifahren. Um sechs soll noch ein Pritschenwagen durchkommen, sagen sie.
Scheint sich wohl zu verspäten der Wagen. Wird schon dunkel. Halb sieben, Mann, mach kein Scheiss.
"Nein, der kommt schon, keine Angst", meinen die anderen, die mit mir warten, um mich zu verabschieden.
Wie lange braucht so ein Wagen für die fünfzehn Kilometer? Eine Stunde?
"Ja, oder mehr." Fünfzehn Stundenkilometer bei dieser Strecke wär wohl ein bisschen schnell.
"Ein anderes Auto kommt nicht mehr vorbei?"
"Nee, morgen wieder."
Witzbolde. Der Bus nach Mexico fährt einmal die Woche und pünktlich 20.00 Uhr. Rolando will in drei Tagen wieder zurückkommen und nächste Woche nochmal hinfahren... oder übernächste Woche... und es wird immer später. Ist Mexico City doch nicht mein Weg? Das hängt jetzt von denen ab, die den Pritschenwagen steuern.
Natürlich von dem, der den Pritschenwagen-Fahrer steuert. Denn an diesem Heiligabend wird kein Auto mehr diese Strasse entlangkommen.
Also wieder zu Lino ins Bett. Blödes Gefühl, wenn man sich schon von den ganzen Leuten im Dorf verabschiedet hat. Das heisst, Lino ist noch nicht zurück, der kommt erst spät, ist noch bei seiner indianischen Musikgruppe.
Ja, wo gehts denn dann hin, wenn nicht nach Mexico City? Nach Guatemala und weiter nach Süden? Und dann? Seit drei Monaten bin ich nun mit dem Ziel Mexico City unterwegs, und jetzt auf einmal doch nicht? Oder doch noch? Warum kam das Auto nicht?
"Hallo Chef, wie gehts, Glückwunsch zum Geburtstag..."
Ich betete an diesem Abend, dass ich ratlos war und nicht mehr weiter wusste. Mexico City? Die einzige Alternative, die ich sah, war weiterzureisen nach Mittelamerika. Was hatte Gott mit mir vor? Ich bat ihn, mir zu zeigen, wo es hingehen sollte. "Ich mein, so wichtig ist es auch nicht, irgendwo wirds schon hingehen - aber vor zehn Jahren hast dus auch mal gebracht. Du kannst mir was von Guatemala zeigen, oder von Mexico City... dir fällt schon was ein. Irgendwas, was ich check. Dein Wille geschehe."
Mexico City... und wenn nicht, dann geht der Weg wohl weiter über Zontecomatlán. Den saublöden Gockelhahn, der ab halb drei alle vierzig Minuten fünfmal kräht, haben sie jetzt aus unserer Hütte genommen, das war keine schlechte Idee, der weckt mich nicht mehr. Landen wir noch? Ja, grad noch, ich bin am aufwachen, ich habe geträumt.
"Danke."
Halb vier, oder vier, schätze ich, Lino liegt neben mir und schläft. Also, Mexico City wars auf alle Fälle nicht.
Ich erinnerte mich an mehrere Traumsequenzen, in denen ich unterwegs war, im Zug und im Flugzeug, meist in verschiedenen Gegenden in Europa. Eine Szene beschrieb eine Landungsszene eines Flugzeugs auf einem Rollfeld mit einer kargen Graslandschaft, mit schnell vorüberziehenden einzelnen Bäumen und Büschen, ohne Häuser, in der Ferne vielleicht das Meer.
Es sah ganz daanch aus, als würde ich erstmal auf der Reise bleiben. Nicht nach DeFe, sondern eher nach Guatemala, Panamá. Vielleicht ja von da nach Südamerika.

El Paraje war insofern ein aussergewöhnlicher Ort, als dass die Leute nicht fragten, wann ich wieder gehen würde, und wohin. Im Gegenteil, schrieb ich im dritten Brief ans Forum.

Am liebsten hätten sies ja gesehn, dass der gringo hierbleibt und eine von den hiesigen Töchtern heiratet... buenas trabajadoras... gute Arbeiterinnen... etwas über das hiesige Frauen-Bild der Männer zu schreiben hebe ich mir für ein anderes Mal auf. Heute fällt mir nichts ein was fies genug wär.

Der spanischsprachigen Männer
, hätte ich noch dazuschreiben können. Die Indianer aus Tlatlapongo hatten ein wesentlich besseres Benehmen und pfiffen den jungen Mädchen nicht nach. Wahrscheinlich wären sie auch nicht auf die Idee gekommen, im Fluss mit Dynamit zu fischen. Auch wenn die Kinder aus El Paraje uneingeschränkt nett waren, ich glaube, ich hätte mich hier nie richtig wohlgefühlt. In Tlatlapongo wäre das vielleicht anders gewesen.
Beeindruckend war das Dorffest zu Weihnachten. Als die ranchero-Musik lief, war die Tanzfläche vor dem Gemeindehaus sofort voll. Allerdings nicht von den schüchternen Jugendlichen, die sich zwar schick zurecht gemacht hatten, sich aber erst spät zu tanzen trauten. Im spanischsprachigen Mexico hatten die Geschlechter offenbar viel grössere Schwierigkeiten als bei den Indianern, aufeinander zuzugehen. Die Kinder kannten diese Hemmungen nicht und im Nu war die Tanzfläche voll. Und sie konnten echt gut tanzen.
Für ein paar Pesos kaufte mir einer der Jungen der Familie Flores-Sánchez den Walkman von Lupe Leal ab. Ich hatte ihn nie gebraucht. Ich liess ihm auch die Kassette von Nockamixon da. Inzwischen hatte ich herausbekommen, dass man auf der Strasse nach Zonte sehr wohl über Tlaxcala nach Puebla und Mexico City kam, und dass sie auch hin und wieder befahren war. Die Leute aus El Paraje waren wohl noch nie in Zontecomatlán in den höheren Bergen gewesen und es kursierten Gerüchte, dass dort alle bewaffnet seien und die Gegend unsicher war.
Panamá. Vielleicht dreitausend Kilometer waren das noch.

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Für diejenigen, die die gesamte Textdatei lieber am Stück lesen wollen, und nicht jede Seite einzeln, gibt es 3 Word-Dateien, entsprechend den 3 Bänden, die von unserem Server auf Festplatte heruntergeladen werden können. Dies sind die reinen Text-Dateien, ohne Bilder drin. Nur mit Platzhaltern für Bilder. Die Word-Datei (Word 6.0/95 für windows) ist etwa 2001-2003 zusammengeschrieben worden, letzte Änderungen sind von 2005.
cayenne-band1.doc.
cayenne-band2.doc.
cayenne-band3.doc.


Hier noch ein paar weitere interessante Links:

 

www.planetposter.de - Posterverlag von Francisco Welter-Schultes und Ralph Krätzner

www.wissenladen.de - Der Onlineshop mit den guten Ideen

www.wissenladen.de/maps - übersichtliche Landkarten von allen Ländern der Welt

www.animalbase.org - Frühe zoologische Literatur online

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Maya-Ruinen in Palenque, Chiapas, Mexico. Pyramide der Inschriften.

 

 

 

 

Der Roman Umweg nach Cayenne ist eine Fortsetzungsgeschichte in drei Bänden und basiert auf einer authentischen Geschichte (autobiographisch von Francisco Welter-Schultes).
Band 1 spielt von Mitte der 60er Jahre bis 1980 in Deutschland (erst Bayern, dann Mainz), Band 2 von 1980 bis 1987 in Deutschland (hauptsächlich in der Kleinstadt Neustadt in Holstein) mit einigen Passagen in der Türkei und in Griechenland (vor allem auf Kreta), Band 3 von 1987-1990 spielt hauptsächlich in Nord- und Südamerika (USA über Mexico bis nach Feuerland und dann Atlantikküste entlang nach Brasilien). Ganz am Ende kommen wir dann auch mal tatsächlich nach Cayenne, Französisch-Guyana. Der Titel ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen. Aber bis wir nach Cayenne kommen, dauert es einige Zeit, und ein paar kleine Umwege müssen schon in Kauf genommen werden.
Zusammengeschrieben wurde das Ganze so etwa zwischen 2001 und 2003.
Alle Personen, die im Text vorkommen, sind Personen des wirklichen Lebens. Um ihre Privatsphäre zu schützen, wurden die meisten von ihnen unter Pseudonymen genannt. Ausser bei Personen des öffentlichen Lebens.

Wir hoffen, die Navigation funktioniert halbwegs und wünschen viel Spass beim Lesen.

Für diejenigen, die einen kurzen Blick auf eine Landkarte werfen wollen, was ja mal ganz nützlich sein kann, hier eine kleine Auswahl von Landkarten aus Europa:
Bosnien und Herzegowina   Deutschland   Frankreich   Griechenland   Italien   Österreich   Rumänien   Russland  Schweden   Spanien   Türkei



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