Schlüsselwörter dieser Seite:     Bolivien 1988 Oruro Stadtviertel Arbeiter Spitzhacke Arbeitskraftmanagement

 

 

 

Francisco Welter-Schultes: Umweg nach Cayenne

 

Eine Fortsetzungsgeschichte auf 739 Internetseiten.

 

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31 - Tarea in Oruro - Arbeit auf dem Altiplano

Seite:

 

04

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21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 Epilog

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Es ist Samstag, früher Nachmittag. Zwei andere Arbeiter sind ein paar Meter weiter oben aber auch noch bei ihren tareas dabei, verdammt schwerer Boden... wie es bei mir zuerst auch war... sie wollen bis sechs arbeiten. Vicentes Stück hat nicht ganz so schweren Boden... zwei Kubikmeter... hm, rechnen wir mal nach.
Zehn Meter lang mal ein Meter zehn tief mal siebzig Zentimeter breit, sind sieben Komma sieben Kubikmeter... gestern vormittag er allein, danach mit mir, haben wir bis zum Abend vielleicht viereinhalb Kubikmeter geschafft. Heute vormittag hat Vicente, grösstenteils allein, in knapp sechs Stunden noch einen oder eins Komma zwei rausgeholt - und will die restlichen zwei am Montag rausholen, müsste also mit etwa acht oder neun Stunden rechnen.
Noch zwei Kubikmeter Bolivien... eigentlich hab ich noch ein bisschen Lust. Ich habe auch gut zu Mittag gegessen. Diese Spitzhacke hier, da steht sie so einladend...
Ach, gehst her. Doch, ich mache in Vicentes Stück noch ein bisschen weiter. Ich fange an, in den Steinen rumzumurksen... nach einer halben Stunde habe ich vielleicht zehn Schaufeln rausgekriegt. Das ist wenig.
Irgendwie bin ich noch von gestern fertig. Oder von heute vormittag? Oder von der ganzen Woche... oder von Donnerstag, wo uns der blöde
Casco beim Zuschaufeln so gescheucht hat... vielleicht liegt es auch an der Sonne, wie gestern hat es fast keine Wolken.
Von einem Haus hole ich mir einen ganzen Eimer voll Wasser (das ist in dieser Stadt trinkbar), trinke einen halben Liter aus, jetzt gehts besser. Vielleicht war es ja das, was mir gefehlt hatte.
Zwei von den Kindern kommen wieder an, und damit irgendwann auch die Frage:
"Können wir dir helfen?"
"Wenn ihr wollt..."
Einer nimmt die Spitzhacke, der andere die Schaufel, und so hacken sie ein wenig auf den zwei Kubikmetern herum. Das ist gar nicht so einfach, die Spitzhacke richtig zu gebrauchen... ja ja, das sieht so leicht aus, wenn die Arbeiter das machen, aber ihr seht, das will gelernt sein.
Wart mal, die da oben wollen bis sechs Uhr durchmachen, das sind noch vier Stunden... ich glaub, ich entschliess mich auch, bis vielleicht um sechs hier rumzurödeln, dann muss Vicente am Montag vielleicht nur den halben Tag arbeiten, das wird ihm guttun.
Also nein, mit der Spitzhacke können sie wirklich nicht umgehn, da kann ja kein Mensch zuschaun. Also nehm ich wieder die Spitzhacke und hacke ihnen ein bisschen was raus, und sie wechseln sich im Schaufeln ab. Die Kinder können nicht hacken, aber sie können schaufeln.

Das ist jetzt der Augenblick, wo ein kleines bisschen Kopfarbeit gefragt ist. Arbeitskraftmanagement. Hier ist es wichtig, dass vor allem die Schaufel ständig im Einsatz ist, die Spitzhacke kann ausruhen. Nur die Schaufel bringt die
tarea wirklich weiter. Sie müssen also ständig etwas zum Rausschaufeln haben.
Also hacke ich an zwei Stellen des fünf Meter langen Abschnitts, hinten und vorne, immer abwechselnd. Ich hacke an der einen Stelle solange, bis sie gegenüber zuende geschaufelt haben, dann gehe ich wieder auf die andere Seite. Und ich habe sogar etwas Glück: der Boden wird eine Idee leichter, ich halte mit ihnen gut mit, kann ihnen immer genug zum Schaufeln raushacken.
Inzwischen ist Nachmittag, einer der Nachbarn lädt mich zum Tee mit Brötchen ein, genau wie gestern nachmittag die eine Frau drei Häuser weiter oben. Mir kommt eine Idee... das wär doch ein Riesen-Gag, wenn ich jetzt Vicentes
tarea komplett zuende machen würde! Ich stell mir sein Gesicht am Montag vor, wenn er am Morgen da völlig lustlos angelatscht kommt und seine tarea fertig gemacht sieht. Hey, das wär doch der volle Gag. Ich glaub, ich hab mir schon lange keinen wirklich guten Gag mehr geleistet. Zwei Kubikmeter, es wäre vielleicht tatsächlich zu schaffen...
Ich bin den Anwohnern dankbar. Brötchen und Tee (mit Zucker!) und ein paar Minuten ausruhn - das ist jetzt das genau eins-A-Richtige, was mir momentan passieren kann. Diese Gegend hier oben taugt wirklich mehr als das graugelbe, staubige, verkehrsreiche Stadtviertel weiter unten. Wo die Typen, die an der Strasse entlanggetrottelt kommen, jedesmal einen halben Genickbruch kriegen, wenn sie mich da als einzigen blonden Weissen unter den Arbeitern sehen. Ich kam mir bald vor wie im Zoo da unten.
Am härtesten war der eine Typ, da haben sich sogar Lima und die anderen an den Kopf gefasst, die das mitgekriegt hatten: als wir wieder mal mit unseren Geräten über den Schultern die Strasse langgelatscht kamen. Irgendso ein Typ sah mich da also, als ich schon vorbeigegangen war, drehte sich um, rannte ins Haus: "Mami, Mami!"
Und der Typ war über dreissig.
So, genug ausgeruht, weiter an der tarea. Ein Riesen-Monster-Stein liegt drin, den brauchen wir aber nicht rauszuholen, das machen die, die nächste Woche die Rohre legen. Die Kinder haben zwar bald keine Lust mehr - nur einer ist noch gekommen, vielleicht zwölf Jahre ist er alt, er bleibt noch.
Dafür lege ich jetzt erst richtig los. Zwei Kubikmeter nicht schaffen, das wäre ja noch schöner. Dieses miese
tarea-System. Ich hacke mit voller Energie auf den Graben ein und unterlasse es gerade noch, schwarzamerikanische Arbeiterlieder zu singen, die wir mal in der Schule gelernt hatten. Oder Es ist an der Zeit von Hannes Wader. Weit in der Champagne, im Mittsommergrün... Hatte ich letzte Woche im unteren Stadtviertel gebracht, damit ging es tatsächlich leichter. War ne gute Show. Sie dachten, jetzt sei ich vollkommen übergeschnappt.
"Ich kann nicht mehr, kannst du mal die Schaufel nehmen ?" - oh, jetzt merke ich ja erst, dass ich den jungen Freund ziemlich gut in Trab halte.
"Okay, gib die Schaufel her, das kriegen wir schon hin... wir machen das so: ich schaufel immer diese Seite, und du danach die andere, okay?"
"Ja, gut, das ist glaub ich besser."
Ich kann mich auch mit der Schaufel austoben, zur Abwechslung, und irgendwann merke ich, dass wir durch sind. Vicentes Graben hat verloren. Der Rest ist Technik.
Um halb sechs sind wir fertig und ich habe in dreieinhalb Stunden tatsächlich zwei Kubikmeter Erde zusammengehackt. Und nur etwa ein Viertel davon selber rausgeschaufelt, den Rest haben die Kinder gemacht.
Wow! Vicentes
tarea ist fertig! Und er weiss es noch gar nicht!
Dieser Gag!

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Suchfunktion im Roman: Die Navigation im Roman hat selbst keine Suchfunktion. Wer innerhalb des Romans bestimmte Begriffe sucht, kann hier im Suchfeld bei Google den Begriff "wissenladen" und den Suchbegriff (beispielsweise den Namen eines Ortes) eingeben. Das sollte halbwegs funktionieren. Wenn "wissenladen" alleine nicht reicht, dann noch "cayenne" dazu eingeben.

Für diejenigen, die die gesamte Textdatei lieber am Stück lesen wollen, und nicht jede Seite einzeln, gibt es 3 Word-Dateien, entsprechend den 3 Bänden, die von unserem Server auf Festplatte heruntergeladen werden können. Dies sind die reinen Text-Dateien, ohne Bilder drin. Nur mit Platzhaltern für Bilder. Die Word-Datei (Word 6.0/95 für windows) ist etwa 2001-2003 zusammengeschrieben worden, letzte Änderungen sind von 2005.
cayenne-band1.doc.
cayenne-band2.doc.
cayenne-band3.doc.


Hier noch ein paar weitere interessante Links:

 

www.planetposter.de - Posterverlag von Francisco Welter-Schultes und Ralph Krätzner

www.wissenladen.de - Der Onlineshop mit den guten Ideen

www.wissenladen.de/maps - übersichtliche Landkarten von allen Ländern der Welt

www.animalbase.org - Frühe zoologische Literatur online

www.hausdernatur.de - Museum Haus der Natur in Cismar an der Ostsee

www.100partnerprogramme.de - Geld verdienen im Internet mit Karsten Windfelder

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www.wale-und-delfine.de - Wale und Delfine

 

 


Oruro, eine Stadt auf dem Altiplano in Bolivien, gemalt 1989, Blick nach Süden auf die Hochebene. Im Vordergrund die Gräben der Kanalisation, die wir ausgehoben hatten.

 

 

 

 

Der Roman Umweg nach Cayenne ist eine Fortsetzungsgeschichte in drei Bänden und basiert auf einer authentischen Geschichte (autobiographisch von Francisco Welter-Schultes).
Band 1 spielt von Mitte der 60er Jahre bis 1980 in Deutschland (erst Bayern, dann Mainz), Band 2 von 1980 bis 1987 in Deutschland (hauptsächlich in der Kleinstadt Neustadt in Holstein) mit einigen Passagen in der Türkei und in Griechenland (vor allem auf Kreta), Band 3 von 1987-1990 spielt hauptsächlich in Nord- und Südamerika (USA über Mexico bis nach Feuerland und dann Atlantikküste entlang nach Brasilien). Ganz am Ende kommen wir dann auch mal tatsächlich nach Cayenne, Französisch-Guyana. Der Titel ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen. Aber bis wir nach Cayenne kommen, dauert es einige Zeit, und ein paar kleine Umwege müssen schon in Kauf genommen werden.
Zusammengeschrieben wurde das Ganze so etwa zwischen 2001 und 2003.
Alle Personen, die im Text vorkommen, sind Personen des wirklichen Lebens. Um ihre Privatsphäre zu schützen, wurden die meisten von ihnen unter Pseudonymen genannt. Ausser bei Personen des öffentlichen Lebens.

Wir hoffen, die Navigation funktioniert halbwegs und wünschen viel Spass beim Lesen.

Für diejenigen, die einen kurzen Blick auf eine Landkarte werfen wollen, was ja mal ganz nützlich sein kann, hier eine kleine Auswahl von Landkarten aus Europa:
Bosnien und Herzegowina   Deutschland   Frankreich   Griechenland   Italien   Österreich   Rumänien   Russland  Schweden   Spanien   Türkei



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