Schlüsselwörter dieser Seite:     Chile 1989 Punta Arenas Sinn des Lebens Dulce de leche

 

 

 

Francisco Welter-Schultes: Umweg nach Cayenne

 

Eine Fortsetzungsgeschichte auf 739 Internetseiten.

 

Ins Netz gestellt von Planet Poster Editions

Kapitel:

 

32 - Meinetwegen bis zum Südpol - Strassen ans Ende der Welt

Seite:

 

16

Kapitel in Band 1:

Kapitel in Band 2:

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Punta Arenas. Ein Abstellzimmer war noch frei in ihrem Haus und ich konnte mich auf ein paar weiche Teppiche legen. Selma war hochschwanger und hatte eine zwölfjährige Tochter, Penny.
Am Abend klingelte es überraschend und ein mochilero stand vor der Tür. Makey. Er wurde freudig begrüsst, war gross, hager und hatte kurze braune Haare. Antonio musste lachen, seit zwei Jahren hatten sie sich nicht mehr gesehen, und ausgerechnet heute kam er hier an.
- Wie bist denn du hier hergekommen?!
- Zu Fuss.
- Was, zu Fuss? Ich denke du wohnst in Río Gallegos!?
- Ja, stimmt genau, und von genau dort komme ich ja gerade gelaufen.
- Zu Fuss, wow, Respekt! Du bist immer noch der Alte! Wie lang hast du denn gebraucht?
- Zwei Wochen...
Das entsprach der Strecke. Auch ich hatte sofort hohen Respekt. Wir mussten beide lächeln, als ich ihn enttäuschen und zugeben musste, dass ich, wenn auch nicht in zwei Wochen zu Fuss von Río Gallegos gekommen, so doch immerhin schon seit anderthalb Jahren von New York unterwegs war.
Seit er zwölf Jahre alt war, war Makey immer unterwegs gewesen. Und fast immer zu Fuss. Irgendwas in der Luft hatte ihn dazu angehalten, zu Fuss zu gehen. So ging es sein ganzes Leben lang, und er kam viel herum, bis dieses Gefühl vor fünf Jahren auf einmal aufgehört hatte. Er schien ihm plötzlich, als müsse er sich einen Ort suchen, an der er etwas ruhiger leben würde, und er fand diesen Ort in Río Gallegos.
Bis vor wenigen Wochen, als ihn auf einmal dieses Gefühl von neuem überkam, er müsse losgehen. Er gehorchte seiner inneren Stimme, nahm seinen Rucksack, den er immer noch bei sich im Haus hatte, und machte sich wieder auf den Weg. Irgendwo nach Süden, aber, wie er betonte, ohne zu wissen, wohin genau er gehen sollte.
Vielleicht genau hierher, meinte ich vorsichtig. Makey war Chilene und in Punta Arenas aufgewachsen, hatte nach langem Fussmarsch die Stadt erreicht und ein paar alte Freunde besucht, darunter heute Abend Antonio. Grosse Überraschung.
- Es gibt Menschen, die anscheinend dafür geboren werden, dass sie das ganze Leben in einem Haus leben. Erst mit ihren Eltern, dann mit ihrer Familie, und sie gehen nie weg. Das heisst, wenn sie das Haus verlassen, dann nur für kurze Zeit, und dann kehren sie zurück. Es scheint ihre Bestimmung zu sein. Niemand drängt sie aufzubrechen. Wir mochileros gehören nicht zu denen. Wir ziehen weg. Wir müssen losgehen, mit Rucksack - und wenn wir nicht unterwegs sind, haben wir nichts vom Leben. An dieser Bestimmung können wir nichts ändern, es ist eben unser Weg, es ist das Leben. Es hat keinen Zweck, wenn du deine Gefühle negierst - wenn sie mich rufen loszuziehen, dann gehe ich los. Vor zwei Wochen hat mich dieses Etwas gerufen. Also bin ich losgegangen. Es hat keinen Zweck, diese Gefühle zu ignorieren.
Jetzt fiel es mir wieder ein. Die Bücher von Inge und Martín in Puente Alto. Die Patienten, die schon klinisch tot gewesen waren, und die angegeben hatten, sie sollten auf den Gebieten Liebe und Weisheit noch etwas dazulernen. Ich hatte das Gefühl, dass etwas kurz davor war, Sinn zu geben. Wenn ich eine Frage an das Leben zu haben schien, dann war es vielleicht diese. Ich fragte Makey.
- Und was meinst du, wozu leben wir hier auf der Erde? Glaubst du, es gibt eine Antwort?
- Claro que hay una respuesta. Estamos aquí - para aprender. - Natürlich gibt es eine Antwort. Wir sind hier - um zu lernen.
So einfach konnte das Leben sein.
Ich war immer noch alles anderes andere als gut darin, meine Gefühle zu verstehen. Aber manchmal wusste ich, ich war zumindest gut genug. Was für eine einfache Antwort.
Makey war Buddhist. Wir sassen in Antonios Küche, in der die Flamme des Gasherdes etwas Wärme gab, assen noch ein paar Brote mit dulce de leche und unterhielten uns noch bis spät, als die anderen schon lange zu Bett gegangen waren. Dulce de leche war eigentlich eine argentinische Erfindung und hiess dort maní. Wie Schokocreme, nur aus Milch und ohne Schokolade. Makey erzählte nicht sehr viel über seine Religion, nur ein paar Fragmente.
- Weisst du, unser Körper ist nichts ausser eine Art Fahrzeug für unseren Geist. Unser Geist trägt unsere wahre Identität. Wir müssen lernen, den Geist zu vervollkommnen. Wenn wir sterben, löst sich der Geist vom Körper und geht weit weg, bis er schliesslich wieder in einen menschlichen Körper hineingeht, um ein neues Leben zu beginnen.
- Und was soll das genau sein, das wir lernen sollen?
- Weiss nicht. Aber wir müssen irgendwas lernen. Es scheint so zu sein, dass es nicht immer dasselbe ist.
- Meinst du nicht, es könnte Liebe und Weisheit sein? Diese zwei Sachen?
- Weiss nicht genau, aber kann durchaus sein.
Kurz danach blockte er das Gespräch ab mit dem Hinweis, dass er eigentlich gar nichts wisse. Es war überhaupt nicht Makeys Art, über solche Themen zu sprechen. Das erfuhr ich auch erst viel später. Am nächsten Morgen machte er sich wieder auf den Weg zurück, nach Río Gallegos. Ich könnte ihn gerne dort besuchen, meinte er noch. Ich brauchte mich nur nach seinem Haus durchzufragen. Ich fragte ihn, ob er mir dafür seine Adresse aufschreiben könnte. Río Gallegos hatte immerhin mehrere zehntausend Einwohner. Er nahm einen Zettel und schrieb darauf ein einziges Wort.
Makey.

Ich sah Antonio fragend an. Sicher, dass das die vollständige Adresse war?
- Haha, mehr als den Namen brauchst du bei dem nicht als Adresse! Den kennt jeder!
Ich wusste ja noch nicht, dass derjenige, der auf diesem Planeten den Sinn des Lebens kannte, in Río Gallegos auf der städtischen Müllhalde in einer selbstgebauten Hütte wohnte. Und davon lebte, dass er jeden Morgen den Müllplatz nach neuem Schrott durchsuchte und aus alten Elektrogeräten und Kabeln Kupfer und andere Metalle sammelte und sie im Rohstoffhandel verkaufte.

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Google

Suchfunktion im Roman: Die Navigation im Roman hat selbst keine Suchfunktion. Wer innerhalb des Romans bestimmte Begriffe sucht, kann hier im Suchfeld bei Google den Begriff "wissenladen" und den Suchbegriff (beispielsweise den Namen eines Ortes) eingeben. Das sollte halbwegs funktionieren. Wenn "wissenladen" alleine nicht reicht, dann noch "cayenne" dazu eingeben.

Für diejenigen, die die gesamte Textdatei lieber am Stück lesen wollen, und nicht jede Seite einzeln, gibt es 3 Word-Dateien, entsprechend den 3 Bänden, die von unserem Server auf Festplatte heruntergeladen werden können. Dies sind die reinen Text-Dateien, ohne Bilder drin. Nur mit Platzhaltern für Bilder. Die Word-Datei (Word 6.0/95 für windows) ist etwa 2001-2003 zusammengeschrieben worden, letzte Änderungen sind von 2005.
cayenne-band1.doc.
cayenne-band2.doc.
cayenne-band3.doc.


Hier noch ein paar weitere interessante Links:

 

www.planetposter.de - Posterverlag von Francisco Welter-Schultes und Ralph Krätzner

www.wissenladen.de - Der Onlineshop mit den guten Ideen

www.wissenladen.de/maps - übersichtliche Landkarten von allen Ländern der Welt

www.animalbase.org - Frühe zoologische Literatur online

www.hausdernatur.de - Museum Haus der Natur in Cismar an der Ostsee

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www.wale-und-delfine.de - Wale und Delfine

 

 


Punta Arenas ganz im Süden Chiles, die südlichste Grossstadt der Welt. Eigentlich ein Dorf mit hunderttausend Einwohnern.

 

 

 

 

Der Roman Umweg nach Cayenne ist eine Fortsetzungsgeschichte in drei Bänden und basiert auf einer authentischen Geschichte (autobiographisch von Francisco Welter-Schultes).
Band 1 spielt von Mitte der 60er Jahre bis 1980 in Deutschland (erst Bayern, dann Mainz), Band 2 von 1980 bis 1987 in Deutschland (hauptsächlich in der Kleinstadt Neustadt in Holstein) mit einigen Passagen in der Türkei und in Griechenland (vor allem auf Kreta), Band 3 von 1987-1990 spielt hauptsächlich in Nord- und Südamerika (USA über Mexico bis nach Feuerland und dann Atlantikküste entlang nach Brasilien). Ganz am Ende kommen wir dann auch mal tatsächlich nach Cayenne, Französisch-Guyana. Der Titel ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen. Aber bis wir nach Cayenne kommen, dauert es einige Zeit, und ein paar kleine Umwege müssen schon in Kauf genommen werden.
Zusammengeschrieben wurde das Ganze so etwa zwischen 2001 und 2003.
Alle Personen, die im Text vorkommen, sind Personen des wirklichen Lebens. Um ihre Privatsphäre zu schützen, wurden die meisten von ihnen unter Pseudonymen genannt. Ausser bei Personen des öffentlichen Lebens.

Wir hoffen, die Navigation funktioniert halbwegs und wünschen viel Spass beim Lesen.

Für diejenigen, die einen kurzen Blick auf eine Landkarte werfen wollen, was ja mal ganz nützlich sein kann, hier eine kleine Auswahl von Landkarten aus Europa:
Bosnien und Herzegowina   Deutschland   Frankreich   Griechenland   Italien   Österreich   Rumänien   Russland  Schweden   Spanien   Türkei



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